Trauer um
Dr. Michael Tunger
Am 27. Juni rief Christus, der Herr über Leben und Tod, Dr. Michael Tunger in seinem 61. Lebensjahr in die Ewigkeit. Als Theologe, Musikwissenschaftler und Komponist gehörte sein Leben der Kirchenmusik. Am 12. Juli 1965 in Aachen geboren, machte er seine ersten musikalischen Gehversuche in der Aachener Domsingschule und gelangte in den Jugendjahren im Aachener Domchor zu früher musikalischer Reife. Unter Domkapellmeister Prälat Dr. Rudolf Pohl erwachte sein Interesse an der Verbindung von Kult und kultischer Musik, was sich später durch ein Diplom in Theologie und eine Promotion in Musikwissenschaft in eine professionelle Richtung entwickelte. Neben der praktizierten Kirchenmusik war er als Schüler von Prof. Hermann Schroeder auch selbst als Komponist tätig und schuf zahlreiche liturgische Kompositionen für gemischte Chöre und Solostimmen.
Von Georg Ratzinger motiviert, arbeitete er 17 Jahre lang bei den Regensburger Domspatzen. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Aachen war er u.a. bei uns in Herzogenrath mit Beginn der Wiederzulassung der tridentinischen Liturgie durch Papst Benedikt XVI. im Jahre 2007 als Organist und Choralsänger für die Musik in der „Alten Messe“ zuständig. Diese Tätigkeit übte er mit Hingabe aus, bis ihn im Juli 2019 eine böse, bislang nicht recht zu diagnostizierende psychophysische Erkrankung heimsuchte. Durch sie wurde er in ein unheilbares siebenjähriges Siechtum geführt und aus dem gesellschaftlichen Leben vollständig ausgeschlossen. Sein Hauptleiden bestand allerdings darin, weder Orgel spielen, noch singen noch lesen und publizieren zu können.
Als Musikwissenschaftler hat er nicht nur eine Reihe von beachtlichen Forschungen zu berühmten Persönlichkeiten des franko-flämischen Kirchenmusiklebens wie Franz Nekes, Theodor Bernhard Rehmann und Julius van Nuffel publiziert, sondern auch herausragende Forschungen zur Geschichte der Aachener Dommusik vorgelegt. So edierte er erstmalig aus dem Aachener Domarchiv die alten gregorianischen Krönungsgesänge und die mittelalterlichen Gesänge zur Aachener Heiligtumsfahrt in moderner Notation und nahm sie mit der von ihm gegründeten Schola Carolina auf Tonträger auf, die bis heute gerne im Dom-Shop in Aachen erworben werden.
Trotz seiner zweifelsohne herausragenden Begabungen und Leistungen blieb ihm in Zeiten, in denen Selbstvermarktung und Publicity großgeschrieben werden, die Anerkennung in offiziellen Kirchenkreisen versagt. Er lebte still und unauffällig, sorgte als Publizist für die Sicherung kirchenmusikalischer Werte und musizierte ohne jede Eitelkeit in der zweckfreien Liturgie der Kirche. Sein stiller und unerwarteter Tod entsprach seiner unprätentiösen Lebensführung. Sein Leben gehörte der Kirchenmusik als Verklanglichung der Welt Gottes in Schönheit und Harmonie. Möge Christus, der „neue Orpheus“, wie ihn die frühchristliche Theologie nennt, ihm ein gnädiger Richter sein und ihn einstimmen lassen in den Chor der Erlösten. Und möge der Heilige Geist, der Tröster, nun seiner Schwester, die er als einzige nähere Verwandte hinterlässt, Halt und Kraft in der Zeit der Trauer verleihen.
Das Requiem für Dr. Tunger feiern wir am Montag, dem 6. Juli, um 10.00 Uhr im tridentinischen Ritus mit Gregorianischem Choral in St. Marien. Die Beisetzung findet danach auf dem Waldfriedhof statt. Nach Totenmesse und Beerdigung sind alle Teilnehmer zu einem Imbiss in den Pfarrsaal von St. Marien eingeladen. Herr, gib ihm die Ewige Ruhe!